Bootsbau im Alten Ägypten

Boote und Bootsbau gibt es seit vielen tausend Jahren. Eine der ersten Hochkulturen, die sich intensiv mit dem Bootsbau beschäftigte, waren die alten Ägypter. Das nordafrikanische Land grenzt sowohl ans Mittelmeer als auch an das rote Meer. Außerdem schlängelt sich mitten durch das Pharaonenreich der Nil. Er ist neben dem Amazonas einer der längsten Flüsse weltweit und hat für Ägypten eine sehr wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Dem Pyramidenvolk wurde deshalb schon etwa 4000 Jahre vor Christus bewusst, dass der Bau von stabilen Schiffen und handelstauglichen Booten unheimlich wichtig ist.

Die Anfänge ägyptischen Bootbaus gehen in die sogenannte Prädynastische Zeit zurück. Boote aus Schilf und Akazienholz bildeten die Grundlage für eine lange Bautradition von technisch immer anspruchsvolleren und leistungsfähigeren Wasserfahrzeugen. Die ursprüngliche Konstruktion der Boote war anfangs immer gleich. Zunächst wurde eine Rumpfverschalung aus Planken, also eine Außenhaut gebaut, bevor der innere Teil des Bootes mit einem Skelett und Spanten stabilisiert wurde. Sogar die ersten Boote mit einem Segel verließen in dieser Zeit die ägyptischen Werften. Einige Jahrhunderte später eroberte dann die Barke den ägyptischen Bootsbau. Sie ist ein mastloses Gefährt, die neben dem Transportzweck auch kultische Bedeutung hatte. Der Herrscher Cheops zum Beispiel besaß eine eigene Königsbarke mit Goldummantelung, die er im Rahmen von unterschiedlichen Feiern und Festen nutzte, um verschiedene Ortschaften am Nilufer anzufahren. Außerdem wurden verstorbene ägyptische Würdenträger auf einer Barke zu ihrer letzten Ruhestätte gebracht.

Während zunächst nur Wasserfahrzeuge für die Nilschifffahrt gebaut wurden, entwickelten die Ingenieure in den Anfängen der Dynastiezeit auch seetaugliche Boote für das offene Meer. Grundsätzlich ähnelte ihre Bauweise der Konstruktion von Nilschiffen. Der höhere Wellengang auf offener See erforderte allerdings den Einsatz von starken Tauen, die über dem Oberdeck zu stabilen Stützen geführt wurden. Der Schiffsmast konnte bei Bedarf umgeklappt werden und lag dann auf dem Oberdeck.

Mittleres Reich wird die Zeit etwa 2000 vor Christus genannt. Mit ihr kamen einige bahnbrechenden Neuerungen auf den ägyptischen Bootsbau zu. Die Konstruktion von Flachbooten wurde komplett eingestellt. Stattdessen wurden die Bootskörper nun bogenartig geformt und mit einem Bug ausgestattet, der aus dem Wasser ragte. Der Schiffsmast konnte auch weiterhin eingeklappt werden, allerdings ragte er jetzt vom Bootsrumpf über das Oberdeck senkrecht nach oben. Die neuen Boote waren sicherer und schneller, denn vermehrter Handel und kriegerische Auseinandersetzungen forderten immer modernere Bootstypen. Bis zum Ende der ägyptischen Hochkultur veränderte sich der Bootsbau dann nicht mehr großartig.

Die Handelshäfen im Pharaonenstaat waren meistens mit großen Städten verbunden. Luxor, Assuan und Memphis beispielsweise stellten wirtschaftliche Zentren dar. Der Export von verschiedenen Rohstoffen blühte regelrecht. Unter den Handelgütern waren vor allen Dingen Kupfer, Zinn, Papyrus und Leinen zu finden. Auch besonders wertvolle Ware wie etwa Öl, Wein oder Edelsteine wurden verschifft. Die ausländischen Handelsschiffe brachten mitunter Obst, Silber und Nutzvieh nach Ägypten. Besonders in den späten Jahren des Pharaonenreiches galt das Prinzip, den größtmöglichen Handel mit dem kleinsten militärischen Aufwand zu betreiben.

Boote spielten auch bei kultischen Praktiken eine wichtige Rolle. Sowohl für Festspiele als auch für Bestattungsriten wurden Boote benötigt. Götterstatuen wurden auf Barken platziert und der am Nilufer stehenden Bevölkerung gezeigt. Gut betuchte Ägypter ließen sich mit Booten bestatten, denn wer nach dem Tod ein eigenes Boot besaß, konnte problemlos die Wasserläufe der Unterwelt überqueren. Somit ist der Bootsbau auch fest im religiösen beziehungsweise mythischen Bewusstsein der ägyptischen Hochkultur verankert.


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